Historie
Eng verbunden sind die Ursprünge der Feuerwehr mit den Ursprüngen der dörflichen Gemeinschaft Jägerwirths. Ohne Dorf keine Feuerwehr und ohne Feuerwehr kein „sicheres“ Dorf. Im Vergleich zu den umliegenden Ortschaften wie etwa Sandbach wurde in Jägerwirth erst spät eine eigene Schule errichtet. Das Schulgebäude, welches 1867 errichtet wurde, dient heute als Kindergarten und kann im Zusammenhang mit der der Errichtung der Kirche (1901) als Entstehung des Dorfes gewertet werden.
Die Konsekration von Pfarrkirche und Hochaltar fand 1910 statt
Zwar gab es zuvor schon Ansiedelungen in und um Jägerwirth, aber es gab noch keinen dörflichen Charakter und alles glich mehr einer zufälligen Anordnung von Häusern, welche es aber auch an anderen Stellen im Siedlungsraum gab. Erst mit Errichtung der Zentralgebäude kam es zur Geburtsstunde unseres heutigen Jägerwirth. Um diesen Dorfkern herum siedelten sich langsam eine Schmiede, eine Bäckerei, ein Wirtshaus und weitere Bewohner an. Noch heute finden sich diese zentralen Gebäude im Dorfkern und auch wenn es diverse Umbauarbeiten gab, so ist der Ursprung von Jägerwirth heute noch sichtbar und erlebbar.
Schmiede und Schmied-Familie in Jägerwirth im Jahr 1905
Das Wachsen des Dorfes, welches man nun endlich als solches bezeichnen durfte, förderte jedoch auch die Notwendigkeit der Gründung einer Feuerwehr zu Tage. Als Brandleider um Haus und Hof zu kommen, somit die Existenzgrundlage zu verlieren und einer mehr als ungewissen Zukunft ins Auge zu blicken, war eine damals sehr reale Gefahr. Im Gegensatz zu Wandervereinen, Gesangsvereinen und Burschenschaften hatte die Gründungswelle von Feuerwehren im 19. Jahrhundert eine ganz andere Intention. Es ging weniger um Geselligkeit, als um ein Mindestmaß an gegenseitigem Schutz, den man einander nur als Feuerwehrgruppierung geben konnte. Heute wie damals ist Brandbekämpfung nur als Teamarbeit möglich.
Der Name Jägerwirth ist auf ein Wirthaus zurückzuführen, das damals hauptsächlich von Einheimischen besucht wurde. Das ursprüngliche Dorf bzw. die Wurzeln des Dorfes befanden sich im 19. Jahrhundert auf einer Lichtung vor dem Staatswald. Die Ansiedlung an sich war jedoch kein Zufall, denn eine alte Römerstraße, die Ortenburg und Passau verband, verlief durch das heutige Jägerwirth. Zu den ältesten Anwesen des Dorfes gehören – teilweise heute noch von den gleichen Familien bewohnt – die Anwesen Habere der (heute Gerner), Haberecker (heute Gabriel), Hoadbauer (heute Fußeder), Bernauer (heute Welzmiller), Elender (heute Pernreiter) und Reitfellner (heute Niedermeier)
Wenn wir von Jägerwirth sprechen, dürfen wir jedoch das Kleinod Heiligenbrunn nicht vergessen, welches untrennbar mit unserem Ort verbunden ist. Die Wallfahrtskapelle mitten im Wald ist ein idyllischer Ort und auch fester Bestandteil unseres Jahreskalenders. Ob Wallfahrten, Maiandachten oder Großveranstaltung, wir stehen zur Stelle und leisten gerne die Sicherheitswacht.
Blicken wir auf Jägerwirth, so handelt es sich insgesamt um ein relativ junges Dorf in Niederbayern. Für viele bzw. für Auswärtige mag es nur ein gewöhnliches Dorf sein, aber für uns Bewohner ist es Heimat und Einzigartigkeit. Ein Dorf, wo man sich kennt, ein Dorf, wo man zusammen lacht und weint und nicht zuletzt ein Dorf mit Dorfgemeinschaft und zahlreichen Vereinen, die stets zusammenhalten.
Im Jahr 1899 war Deutschland noch ein Kaiserreich, welches von Kaiser Wilhelm II beherrscht wurde, seine Großmutter Queen Victoria lenkte in jenem Jahr die politischen Geschicke Englands und ein weiterer Verwandter, Zar Nikolaus II regierte als letzter Zar Russland. Im selben Jahr wurde das Aspirin als Marke eingetragen, der Ökonom und spätere Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek wurde geboren, die Taschenlampe erfunden und in Wien wurde der legendäre und bis heute populäre Fußballverein SK Rapid Wien gegründet.
In diesem zeitlichen Kontext von mehr oder weniger bedeutenden Ereignissen fällt auch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Jägerwirth. Am 25. Januar 1899 beschlossen diese 36 Herren im Gasthaus Dommetshauser (Wenzl), welches heute nicht mehr existiert, eine Wehr zu gründen.
Fritz Wild, Lehrer in Jägerwirth
Michael Lippl, Ökonom in Haunreuth
Jakob Dommetshauser, Gastwirt in Jägerwirth
Max Holzmann, Zimmermann in Jägerwirth
Michael Huber, Ökonom in Obereichet
Franz Sprödhuber, Bauernsohn in Haunreuth
Baptist Kitzlinger, Bäcker in Hofmark
Josef Anetzmann, Zimmermann in Obereichet
Josef Krompaß, Bauernsohn in Obereichet
Karl Wimmer, Bauernsohn in Straß
Alois Bauer, Dienstknecht in Jägerwirth
Johann Fußeder, Zimmermann in Jägerwirth
Johann Sickinger, Gütler in Haunreuth
Josef Reiter, Ökonom in Obereichet
Michael Steinleitner, Ökonom in Haunreuth
Jakob Weingerber, Steinhügl
Georg Krautloher, Bauer in Obereichet
Michael Pischl, Bauer in Obereichet
Johann Nepomuk Sonnleitner, Bauer in Obereichet
Johann Nepomuk Kitzlinger, Bäcker in Hofmark
Jakob Zöls, Bauernsohn in Haunreuth
Peter Dommetshauser, Kramer in Jägerwirth
Josef Königsbauer, Schreiner in Obereichet
Franz Voggenreiter, Ökonom in Hofmark
Franz Holzmann, Zimmermann in Jägerwirth
Jakob Wagner, Schmied in Jägerwirth
Franz Sprödhuber, Bauernsohn in Haunreuth
Josef Voggenreiter, Bauernsohn in Haunreuth
Philipp Zehmann, Zimmermann in Jägerwirth
Franz Gotzler, Zimmermann in Hofmark
Josef Lindinger, Schneidermeister in Jägerwirth
Michael Weinzierl, Ökonom in Hofmark
Franz Langhuber, Zimmermann in Obereichet
Josef List, Müller in Hofmark
Johann Nepomuk Huber, Dienstknecht in Haufenberg
Heinrich Würmannsdobler, Mauerer in Jägerwirth
Zum Gründungsvorstand wurde Fritz Wild gewählt und das Amt des ersten Kommandanten wurde von Johann Sonnleiter ausgefüllt, dem Franz Holzmann als Adjutant zur Seite stand. Die Vorstandschaft wurde noch ergänzt durch den Schriftführer Johann Danninger, den Kassier Baptist Kitzlinger und den Zeugwart Peter Dommetshauser.
Zeugnis dieser Gründungsveranstaltung ist das heute noch existente Gründungsbuch, welches einer der größten historischen Schätze unserer Wehr ist.
Der Ort Jägerwirth war damals noch jung und die Gründung einer Feuerwehr bedeutete in erster Linie eine Verbesserung der Sicherheit, denn die Gefahr eines Brandes und die davon ausgehenden wirtschaftlichen Folgen waren damals ungleich bedrohlicher als heute. Eine Brandversicherung gab es nicht. Zwar gab es in der Umgebung bereits Feuerwehren (etwa in Rehschaln und Voglarn), jedoch muss man sich stets vor Augen führen, dass die „Anreise“ einer anderen Wehr ein gravierender Zeitverlust in Zeiten des Pferdefuhrwerkes gewesen wäre. Zudem muss man auch bedenken, dass das damalige „Alarmierungswesen“ weder zentral koordiniert noch flächendeckend war, denn ein Telefon gab es auf dem flachen Land noch nicht. So lässt sich festhalten, dass der Gründungsgedanke mehr praktischer Natur war und einer gewissen Notwendigkeit entsprang, als wie der gesellschaftliche Aspekt eine Rolle spielte.
Die Feuerwehr Jägerwirth hat zwei Weltkriege, Währungsreformen und Wirtschaftskrisen überdauert und ist heute ein solider Verein. In diesem Zusammenhang erscheint es fast undenkbar, dass nach der Währungsreform die Feuerwehrkasse auf gerade mal sechs Mark geschrumpft war. Aber nach dieser schlechten Kriegszeit entwickelte sich unsere Wehr rasant weiter.
1979 Unsere Feuerwehr zum 80-jährigen Jubiläum im Jahr 1979
So wurde Mitte der 70er Jahre die Jugendfeuerwehr gegründet, was zu dieser Zeit noch etwas Besonderes war. Damals kam der Gedanke auf, dass man auch die Jugendlichen irgendwie in die Wehr einbinden müsse und es nicht selbstverständlich ist, dass Jugendliche mit dem Erwerb der Volljährigkeit ohne jeden Vorkontakt automatisch Mitglied der Feuerwehr werden, weil dies in der Familie so Tradition hat. Man musste und muss sich um den Feuerwehrnachwuchs stets bemühen.
In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass Ernst Fischl es in seiner Amtszeit als erster Kreisjugendwart geschafft hat, dass in 152 von 155 Landkreisfeuerwehren eine Jugendfeuerwehr gegründet wurde.
Atemschutz
Mit der Anschaffung eines neuen und modernen Feuerwehrfahrzeuges wurde 1981 auch der Atemschutz eingeführt. Mit der alten technischen Ausstattung wäre dies nicht möglich gewesen und so war der Erwerb des neuen Fahrzeuges zugleich auch der Beginn einer neuen Ära, denn ohne Atemschutzgeräteträger wären viele Einsätze heute nicht zu bewältigen.
Was den Atemschutz bzw. Atemschutzgeräteträger anbetrifft, so ist dieser nicht nur bei verrauchten Zimmerbränden notwendig, sondern der Bedarf ist vielfältig. Auch bei Bränden unter freiem Himmel ist oftmals ein Einsatz notwendig, weil beispielsweise gesundheitsschädliche Stoffe durch den Brand freigesetzt wurden. Aber auch beim Atemschutz zeigt sich, dass sich mit der Zeit glücklicherweise eine stetige Professionalisierung im (freiwilligen) Feuerwehrwesen durchsetzte. Zu Beginn der 80er Jahre waren nicht ausreichend Plätze für die Atemschutzausbildung an der Staatlichen Feuerwehrschule in Regensburg vorhanden, weshalb die „Ausbildung“ vor Ort in der eigenen Wehr stattfinden musste. Heute - 40 Jahre später - sind wir glücklich, dass im nahen Vilshofen mit dem Atemschutzzentrum und der Atemschutzübungsanlage eine gute und kompetente Ausbildung in diesem Bereich möglich ist. Wenn wir in der Jägerwirther Feuerwehr über die Einführung des Atemschutzes sprechen, so darf ein Mann in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden: Bernhard Kolb, der sich in hohem Maße um die Standortausbildung verdient gemacht hat und quasi den Grundstein dafür gelegt hat, dass wir heute technisch und ausbildungsmäßig dort stehen, wo wir stehen. Nur durch ihn konnte der Atemschutz als eigene Ausbildung in der Feuerwehr Jägerwirth von Anfang an wachsen und Generationen von Feuerwehrkameraden in diese Spezialausbildung vor Ort hineinwachsen.
Heuwehrgerät
Da wir eine ländliche Wehr sind, benötigen wir nicht unbedingt eine Drehleiter für überdurchschnittlich hohe Gebäude, welche so in unserem dörflich geprägten Jägerwirth nicht existieren, aber wir haben andere besondere Bedürfnisse bei der Ausstattung. Aus diesem Grund wurde auch 1985 ein Heuwehrgerät in Jägerwirth stationiert. Bedarfsgerechte Ausstattung ist ein wesentlicher Teil für den hohen Schutzstandard im Schutzbereich.
Wärmebildkamera
Auch die Stationierung der ersten Wärmebildkamera im KBI Bereich Passau West 2006 ist fest mit der Feuerwehr Jägerwirth und dem Namen Ernst Fischl verbunden. Auch wenn die Wärmebildkamera heute – fast 20 Jahre später – keine große Besonderheit mehr ist, so waren wir damals Vorreiter und haben als eine der ersten Feuerwehren überhaupt dieses neue Gerät zu unserer Ausrüstung zählen dürfen. Jeder, der im Umgang mit Feuerwehrgeräten vertraut ist, weiß, dass die Wärmebildkamera ein möglicherweise oft unterschätzter Ausstattungsgegenstand ist, der aber im Brandfall sowie bei der Suche von vermissten Personen gute Dienste leistet.
Seit Bestehen unserer Wehr füllten nachfolgende Personen das Amt des ersten bzw. stellvertretenden KOMMANDANTEN aus:
STELLVERTRETER:
Seit Bestehen unserer Wehr füllten nachfolgende Personen das Amt des ersten und zweiten VORSTANDES aus:
SCHRIFTFÜHRER:
KASSIERE:
GERÄTEWARTE:
JUGENDWARTE:
Seit Bestehen unserer Wehr haben folgende Damen das Amt der FAHNENMUTTER bekleidet: