Fahrzeug und Ausrüstung
In unserer nunmehr 125-jährigen Geschichte haben bzw. hatten wir insgesamt vier Feuerwehrhäuser und vier Feuerwehrfahrzeuge. Die ersten beiden Feuerwehrhäuser standen an ähnlicher Stelle wie das heutige Heim, sind aber nicht fotografiert worden. Das dritte Feuerwehrhaus wurde 1965 auf dem Betriebsgrundstück der Werkstatt/Tankstelle Wagner erbaut und ist heute noch zu sehen. Es wurde am 23.10.1966 eingeweiht und verfügte über einen markanten Schlauchturm. Bis 1999 war es die Heimat der Wehr.
Das Feuerwehrhaus wurde aber im Laufe der Jahre zu klein, es konnte den Anforderungen an eine moderne Wehr nicht mehr genügen. Es fehlten Sozialräume, Duschgelegenheiten, ein Kommandantenzimmer und nicht zuletzt Platz für ein zweites Fahrzeug. Wie jeder andere Verein lebt auch die Feuerwehr von zeitgemäßer Ausstattung und Entwicklung, die am alten Standort in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.
Wie heißt es doch so schön: Wer nicht mit der Zeit geht, „geht“ mit der Zeit! Und insofern hat Franz Butzenberger, indem er Grund und Boden für das heutige Feuerwehrhaus zur Verfügung stellte, einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Zukunft der Wehr gesichert ist.
Die Errichtung des Hauses bzw. der Weg dorthin war ein langer. Bereits Anfang der 90er Jahre gab es die ersten Bestrebungen, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten. Aber erst durch die intensive Zusammenarbeit und Einbindung von Staatssekretär Franz Meyer, Bürgermeister Michael Holler, dem Regierungspräsidenten Dr. Friedrich Giehl sowie Ernst Fischl und Erwin Sprödhuber bekam das Projekt den notwendigen politischen Anschub. So wurde Mitte der 90er Jahre offiziell zugesagt, dass bis zum 100-jährigen Feuerwehrjubiläum im Jahr 1999 ein neues Feuerwehrhaus stehen wird. Diese politische Zusage wurde eingehalten und die Baumaßnahmen konnten bereits 1997 beginnen. Neben dem bürokratischen Aufwand, der einige Jahre in Anspruch nahm und zahlreiche Besuche bei der Regierung von Niederbayern in Landshut erforderte, darf aber nicht vergessen werden, dass das Jägerwirther Feuerwehrhaus in großen Teilen ein Gemeinschaftswerk ist und zu einem sehr großen Teil von der Mann schaft gebaut wurde. Was man selbst machen konnte, wurde in Eigenregie erledigt.
Am Ende sollte man auf eine stolze Eigenleistung von 84.000 DM zurückblicken können. So wurden aus Konrad Sedlmayr und Johann Spieleder die ehrenamtlichen Bauleiter, die die Mannschaft für die verschiedenen anfallenden Arbeiten einteilten. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Christian Bogner, der die Elektroarbeiten übernahm, Albert Rottbauer, der Mann, der sich um alles kümmerte, was mit Holz zu tun hatte, und Josef Pernreiter, der das Feuerwehrhaus flieste. Neben diesen besonderen Einzelleistungen sind aber auch die Hand- und Spanndienste von vielen anderen Beteiligten zu erwähnen. Ohne sie alle wäre der Bau in dieser Form und Qualität nicht möglich gewesen.
Die Notwendigkeit von neuen, größeren Feuerwehrhäusern – auch eine Folge der technischen Revolution bei den Feuerwehrautos in den letzten 125 Jahren. Unser heutiges Fahrzeug und unser Mannschaftstransportwagen sind auf dem Ansicht von Osten neuesten Stand der Technik, weshalb die Vorgängerfahrzeuge für den heutigen Betrachter eher musealen Charakter haben dürften. In diesem Zusammenhang darf jedoch nicht vergessen werden, dass es – vor allem kurz nach dem zweiten Weltkrieg – keine Selbstverständlichkeit war, überhaupt ein Feuerwehrfahrzeug zu besitzen. Selbst wenn wir heute die frühere technische Ausstattung belächeln, so muss man sich auch stets vor Augen führen, dass Anschaffung und Unterhalt einer Wehr stets eine große Herausforderung für eine Kommune darstellen. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten, wie kurz nach den Weltkriegen, war es eine besondere Leistung der damaligen Altgemeinde Altenmarkt, die Wehr – wenn auch nur notdürftig – mit entsprechenden Geräten auszustatten. Aber der zweite Weltkrieg hatte auch seine Spuren im Vereinsleben hinterlassen. Der Tod von den neun im Krieg gefallenen Kameraden Otto Asen (Hofmark), Franz Langhuber (Jägerwirth), Johann Wagner (Jägerwirth), Johann Ginglseder (Haunreuth), Alois Weinzierl (Hofmark), Alois Danner (Jägerwirth), Max Maier (Jägerwirth), Johann Zankl (Jägerwirth) und Albert Zöls (Jägerwirth) war zu beklagen. Diese Zahl, die vielleicht auf dem ersten Blick nicht groß erscheinen mag, ist vor dem Hintergrund der Ortsgröße zu sehen und auch vor dem Hintergrund, dass die Technisierung in der Feuerwehr zu dieser Zeit quasi nicht vorhanden war. Der Einsatzfall war pure körperliche Anstrengung und es wurde jede greifbare Muskelkraft benötigt. Zudem stehen dahinter Einzelschicksale von Menschen, die aus einem beschaulichen niederbayerischen Dorf kamen, die nichts mit großer Politik zu tun hatten, die aber letztlich ihr Leben für den Größenwahn und die verfehlten ideologischen Zielsetzungen des Dritten Reiches lassen mussten und zum Bauernopfer für einen längst verlorenen Krieg wurden.
Neben den Fahrzeugen sind auch die Pumpen immer besonders wichtige Ausrüstungsgegenstände einer jeden Wehr. Die erste Pumpe (Marke Paul-Ludwig) der Jägerwirther Wehr wurde erst 1906, also sieben Jahre nach der Gründung erworben. Vorher hatte man sich anderweitig behelfen müssen. Zudem ist diese erste Pumpe auch nicht im Ansatz mit der Leistungsfähigkeit von heutigen Pumpen vergleichbar. Das Gelingen von Brand- und Hilfseinsätzen damals war somit zu einem großen Teil abhängig von der Muskelkraft der anwesenden Helfer.
Seit der Motorisierung unserer Wehr sind wir nunmehr im Besitz des vierten Fahrzeuges. Das erste Fahrzeug war ein Opel Blitz, den wir von 1952 bis 1966 im Dienst hatten. Heute wirkt es unvorstellbar, dass dieses Fahrzeug nicht von der öffentlichen Hand bei einem Spezialhersteller angeschafft wurde. Stattdessen wurde es zunächst einmal vom örtlichen Wirt und Schriftführer vorfinanziert und sodann vom örtlichen Schmied - die Firma Wagner ist heute noch als Familienbetrieb in Jägerwirth erhalten - zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut. In der damaligen Zeit war man jedoch froh, überhaupt über ein Fahrzeug zu verfügen. Und in den Nachkriegsjahren war Improvisation ein nicht wegzudenkendes und zugleich pragmatisches Grundprinzip in allen Lebenslagen und Lebensbereichen.
Auch das zweite Fahrzeug, ein Borgward aus den Beständen der englischen Gerätehäuser & Fahrzeuge Rheinarmee, welcher 1963 angeschafft wurde, wurde ebenfalls vom örtlichen Schmied entsprechend den Feuerwehrzwecken umgerüstet.
Das nächste Auto war nun erstmals ein „richtiges“ Feuerwehrauto. Der 1981 angeschaffte Mercedes D 503, ein LF 8, stand bis 2009 im Dienst der Wehr. 2007 wurde die Fahrzeugflotte erweitert. Ein VW Bus (Baujahr 1994), der im Dienste der Bereitschaftspolizei Dachau gestanden war, wurde bei einer Zollauktion für 400 Euro ersteigert und nach Jägerwirth gebracht. Mit dem Ersteigern alleine war es jedoch nicht getan. Nur mit tatkräftiger Unterstützung von Erwin Sprödhuber, Ernst Fischl, Johann Spieleder sen., Konrad Sedlmayr, Martin und Josef Stangl, Stefan Königsbauer, Christian und Josef Leitl und Bernhard Gotzler wurde nach insgesamt 339 Arbeitsstunden aus dem ausrangierten Polizeifahrzeug ein brauchbares Feuerwehrfahrzeug. Die Kosten von 2981,10 € für den Umbau, als auch 216,40 € für Ausrüstung wurden von der FF Jägerwirth übernommen. Das Fahrzeug stand bis zur Anschaffung des Führungsunterstützungsfahrzeuges im Jahr 2020 im Dienst.
Endgültig den Sprung in die Neuzeit haben wir jedoch im Jahr 2009 geschafft, als ein Mercedes Atego 1226, ein LF 10/6, angeschafft wurde, das mit seiner Ausrüstung den heutigen Anforderungen entspricht.
Der Anschaffung des neuen Fahrzeuges ging jedoch ein langer Entscheidungs- und Informationsprozess voraus. Die technische Notwendigkeit eines neuen Fahrzeuges ist nur eine Seite der Medaille, denn sobald man einen Austausch vornimmt, muss man auch wissen, welches Fahrzeug, welche Ausstattung und welche Besonder heiten gewünscht werden. Ein Feuerwehrfahrzeug ist niemals von der Stange, sondern stets ein auf den jeweiligen Nutzer abgestimmtes individualisiertes Produkt. Diese Tatsache machte es erforderlich, dass vor Bestellung und Ausschreibung des Fahrzeuges ein Ausschuss gegründet wurde, der sich mit Musterausschreibungen, Erfahrungsberichten von anderen Wehren, Fahrzeugaufbauten und ähnlichen Dingen beschäftigte, ehe das für Jägerwirth passende Fahrzeug letztlich ausgeschrieben und bestellt werden konnte.
Mit dem derzeitigen Fuhrpark ist die Feuerwehr gut gerüstet für ihre vielfältigen Aufgaben: Mit dem LF 10 als Einsatzfahrzeug, das mit seiner Ausrüstung voll den Anforderungen der heutigen Feuerwehrarbeit entspricht, komplettiert durch einen modernen Mannschaftstransportwagen, der auch zur Führungsunterstützung bei Großschadensereignissen wie Hochwasser oder Sturm geeignet ist.



